Friedensgipfel in der Türkei (KI-Symbolbild): Verhandlungssaal in Istanbul mit Flaggen der USA, Russlands und der Ukraine, Stuhl mit Deutschlandfahne vor der Tür, Text Alle verhandeln – Berlin zahlt nur

Friedensgipfel in der Türkei: Ankara vermittelt, Berlin zahlt – und sitzt nicht am Tisch?

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Istanbul statt Brüssel, Ankara statt Berlin: Der mögliche Friedensgipfel in der Türkei rückt näher, und Deutschland schaut zu. Am Wochenende hat Wolodymyr Selenskyj erklärt, er sei zu einem direkten Treffen mit Wladimir Putin in der Türkei bereit. Recep Tayyip Erdoğan bietet sich als Vermittler an, Washington drängt auf neue Gespräche, Peking winkt ab. Und die Bundesrepublik, laut Reuters mit Abstand größter Unterstützer der Ukraine, sitzt bisher an keinem dieser Tische. Sie zahlt nur.

Kurz erklärt

  • Selenskyj sagte am 1. November 2026 im Interview mit CNN Türk, er sei bereit, Putin in der Türkei zu treffen. Auch ein Dreiergipfel mit den USA sei mit Erdoğan besprochen worden.
  • Für Mitte November sind Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA in Abu Dhabi geplant. Der Kreml will die Europäer dort nicht am Verhandlungstisch haben.
  • Laut Bundespräsident Steinmeier lehnt Chinas Präsident Xi einen Ukraine-Gipfel mit den USA und Russland ab. Xi nannte den Krieg einen europäischen Konflikt.
  • Deutschland plant für 2027 rund 11,6 Milliarden Euro Ukraine-Hilfe und haftet für etwa ein Viertel des 90-Milliarden-Kredits der EU.
  • Eine sechstägige Feuerpause in Oleschky ist am Sonntagabend ausgelaufen. Russland lehnte nach ukrainischen Angaben eine Verlängerung ab.

Friedensgipfel in der Türkei: Was ist passiert?

Am Samstag, 31. Oktober 2026, empfing Erdoğan den ukrainischen Präsidenten im Dolmabahçe-Palast in Istanbul. Im Mittelpunkt standen nach Angaben beider Seiten die Friedensbemühungen und die Lage im Schwarzen Meer, wo zuletzt immer wieder Handelsschiffe angegriffen wurden. Erdoğan sagte laut Euronews: „Ich möchte betonen, dass wir bereit sind, jede Anstrengung zu unternehmen, um den Weg zum Frieden zu öffnen.“ Angriffe auf zivile Schiffe seien „nicht hinnehmbar“, ganz gleich, von wem sie ausgingen.

Einen Tag später legte Selenskyj nach. Im Interview mit dem Sender CNN Türk sagte er auf die Frage, ob er Putin in der Türkei treffen würde: „Ja, wir sind zu einem solchen Treffen bereit.“ Mit Erdoğan habe er auch über ein Treffen der Staats- und Regierungschefs im Dreierformat gesprochen. Wenn die Türkei das ermöglichen könne, werde die Ukraine es annehmen und sich darüber freuen. So berichteten es dpa-AFX und n-tv übereinstimmend, das Originalinterview ist bei CNN Türk nachzulesen.

Nach Moskau will Selenskyj dagegen nicht reisen. Der Kreml hatte stets angeboten, ein Treffen in der russischen Hauptstadt abzuhalten. Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow sagte am Sonntag im russischen Fernsehen, Putin würde einen Anruf Selenskyjs „natürlich“ annehmen. Gespräche habe er noch nie abgelehnt.

Warum gerade Istanbul?

Die Türkei ist Nato-Mitglied, hat aber nie die westlichen Sanktionen gegen Russland mitgetragen. Erdoğan telefoniert mit Putin, mit Trump und mit Selenskyj. Laut Euronews hatte er in derselben Woche in einem Telefonat mit dem US-Präsidenten erklärt, die Türkei sei bereit, den diplomatischen Prozess wiederzubeleben. Außenminister Hakan Fidan hat beiden Kriegsparteien zudem einen Vorschlag gemacht, um die Angriffe auf zivile Schiffe zu beenden. Eine Antwort steht noch aus.

Wer verhandelt in Abu Dhabi – und wer nicht?

Parallel läuft eine zweite Schiene. Der Kreml hatte Ende Oktober angekündigt, dass sich Delegationen Russlands, der Ukraine und der USA in der ersten Novemberhälfte in Abu Dhabi treffen. Selenskyj rechnete laut Berliner Zeitung (unter Berufung auf Interfax Ukraine) mit einem Termin zwischen dem 6. und 10. November, nach den US-Zwischenwahlen am 3. November. Zuletzt hatten die drei Seiten im Februar direkt verhandelt, ohne Durchbruch.

Für die Europäer ist in Abu Dhabi kein Stuhl vorgesehen. Uschakow sagte laut Interfax am 28. Oktober: „Sie können dorthin kommen, wenn sie Tickets kaufen. Aber niemand hat vor, sie an den Verhandlungstisch einzuladen.“ Finnlands Präsident Alexander Stubb widersprach und erklärte laut Al Jazeera, die Europäer würden beteiligt. Die EU-Kommission bereitet nach Euronews-Angaben ein eigenes Team hoher Beamter vor. Ob es tatsächlich mit am Tisch sitzt, ist offen.

Bemerkenswert: Finnlands Präsident Stubb und Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre haben laut Al Jazeera am 27. Oktober 90 Minuten lang direkt mit Putin telefoniert. Aus Berlin ist kein solcher Kanal bekannt. Außenminister Johann Wadephul hatte Ende September nach einem Gespräch mit Sergej Lawrow laut dpa gesagt, Folgetreffen ergäben nur Sinn, „wenn Russland ernsthaft zu Verhandlungen bereit ist“. Zugleich mahnte er: „Man kann nicht Lösungen für Europa ohne Europa besprechen.“ Einen Platz am Tisch hat Berlin bis heute trotzdem nicht.

Warum winkt China ab?

Eine dritte Bühne sollte der Apec-Gipfel Mitte November im chinesischen Shenzhen werden. Putin hatte dort ein Dreiertreffen mit Trump und Xi Jinping vorgeschlagen, eigentlich zur nuklearen Abrüstung. Trump erklärte, er würde dabei auch weitere Themen „wie die Ukraine“ ansprechen.

Doch daraus wird wohl nichts. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der Xi am Freitag in Peking getroffen hatte, berichtete am Sonntag im ARD-„Bericht aus Berlin“: „Es ist nach seiner Auffassung keinerlei Vorbereitung für einen Ukraine-Gipfel unter Beteiligung der USA, Russlands und Chinas am Horizont.“ Xi habe „ausdrücklich darauf hingewiesen, dass dies ein europäischer Konflikt sei, bei dem die Europäer mit am Tisch sitzen müssten“. Man habe ihm „die Irritation in seinem Gesicht“ ansehen können.

Ausgerechnet Peking erinnert Europa also daran, dass es um seinen eigenen Kontinent geht. Ein deutlicheres Zeugnis für die diplomatische Leere in Berlin und Brüssel kann man sich kaum ausstellen lassen.

Was zahlt Deutschland für den Krieg?

Während andere vermitteln, liefert Berlin vor allem Geld. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte am 27. Oktober in Singapur laut Reuters, Russland, die USA und China würden „ohne die Ukraine niemals Lösungen finden können“. Man suche ein Format, in dem auch die Europäer mit am Tisch säßen. Zugleich betonte er: „Solange er diesen Krieg nicht beenden will, werden wir die Ukraine unterstützen.“ Deutschland ist laut Reuters inzwischen der mit Abstand größte Unterstützer Kiews.

Die Zahlen dazu stehen im Haushalt. Im Regierungsentwurf für 2027 sind laut ZDF (8. September 2026) rund 11,6 Milliarden Euro für die Ukraine eingeplant. Dazu kommt der EU-Kredit über 90 Milliarden Euro für 2026 und 2027. Laut Bundestagsdrucksache 21/6236 muss die Ukraine ihn erst zurückzahlen, wenn Russland Reparationen geleistet hat. Für mögliche Mehrbelastungen trägt Deutschland nach vorläufigen Berechnungen rund 25 Prozent.

Hinzu kommen Waffenkäufe in den USA. Über den sogenannten PURL-Mechanismus hat sich Deutschland laut ZDF an drei Paketen beteiligt und im Juni weitere 200 Millionen Dollar für ein Waffenpaket sowie 200 Millionen Dollar für Patriot-Abfangraketen zugesagt. Den jüngsten Deal über 500 Patriot-Raketen für Kiew, bezahlt unter anderem mit deutschem Geld, haben wir bereits analysiert.

Zahlt Berlin am Ende für einen Frieden, den andere aushandeln?

Genau das ist das Risiko. Merz selbst sagt, bei Sicherheitsgarantien nach einem Waffenstillstand seien die Europäer „involviert, ob sie es wollen oder nicht“. Übersetzt heißt das: Die Rechnung für Wiederaufbau und Absicherung landet in Europa, und damit zu einem großen Teil beim deutschen Steuerzahler. Wie viel das kosten würde, hat die Bundesregierung bisher nicht beziffert. Die Debatte um den EU-Haushalt und Deutschland als Nettozahler zeigt, wie schnell solche Zusagen ins Geld gehen.

Wie ernst sind die Signale aus Moskau und Kiew?

Es gibt Bewegung, aber auch Rückschläge. Die lokale Feuerpause in der russisch besetzten Stadt Oleschky in der Region Cherson hielt sechs Tage, so lange wie keine lokale Waffenruhe seit Beginn der Großinvasion 2022. Sie kam laut tagesschau nach Vermittlung von US-First-Lady Melania Trump und unter Beteiligung von Papst Leo zustande. Vor dem Ende brachte das ukrainische Militär nach Angaben des Generalstabs 167 Menschen in Sicherheit, darunter 22 Kinder.

Eine Verlängerung lehnte Moskau nach Angaben eines ukrainischen Regierungsvertreters gegenüber AFP ab. Zugleich vereinbarten die Menschenrechtsbeauftragten beider Länder laut n-tv weitere regelmäßige Hilfsaktionen und lobten sich gegenseitig für die Einhaltung der Absprachen. Für diesen Krieg ist das fast ein Novum.

Selenskyj wiederum knüpfte im US-Sender Fox News einen Stopp der Angriffe auf russische Raffinerien an Bedingungen: Entweder greife Russland das ukrainische Energiesystem nicht mehr an, oder die USA lieferten Patriot-Raketen. Das berichtete das ZDF am 2. November. Und US-Außenminister Marco Rubio sprach von einem „wachsenden Interesse“ an einer begrenzten Waffenruhe im Schwarzen Meer. Die USA prüften dazu Vorschläge der Türkei und Indiens.

Hintergrund: Was hat die Türkei schon erreicht?

Die Türkei als Vermittler ist kein neues Kapitel, sondern eines mit Bilanz. Diese früheren Fälle sind belegt:

  • März 2022: Im Dolmabahçe-Palast in Istanbul verhandelten Delegationen Russlands und der Ukraine wenige Wochen nach Kriegsbeginn direkt miteinander. Ein Abkommen kam nicht zustande.
  • 22. Juli 2022: Ebenfalls im Dolmabahçe-Palast wurde unter Vermittlung der Vereinten Nationen und der Türkei das Getreideabkommen unterzeichnet. Laut Vereinten Nationen wurde die Initiative nach ihrer dritten Laufzeit nicht verlängert, sie endete am 17. Juli 2023. Das gemeinsame Koordinierungszentrum saß in Istanbul.
  • Mai bis Juli 2025: In Istanbul trafen sich russische und ukrainische Delegationen erstmals seit 2022 wieder direkt. Ergebnis waren laut damaligen Agenturberichten vor allem große Gefangenenaustausche, kein Waffenstillstand.

Die Lehre daraus: Istanbul hat mehrfach geliefert, wenn es um konkrete, humanitäre Schritte ging. Für einen echten Frieden hat es bisher nicht gereicht. Ob ein Gipfel der Präsidenten das ändert, ist offen.

Bereits im Oktober haben wir über Trumps Ukraine-Deal und die Machtfrage in Kiew berichtet. Die Lage hat sich seitdem verschoben, die Frage ist geblieben: Wer gestaltet den Frieden, und wer bezahlt ihn nur?

Friedensgipfel in der Türkei Story-Grafik (KI-Symbolbild): brennendes Frachtschiff vor Istanbul bei Nacht, Text Krieg auf dem Meer, Frieden ohne uns?
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Kommentar: Wer nur zahlt, hat am Tisch nichts zu sagen

Dieser Kommentar gibt die Meinung der Redaktion wieder.

Man muss es so deutlich sagen: Deutschland hat sich in diesem Krieg selbst aus dem Spiel genommen. Ankara vermittelt, Washington drängt, sogar Peking erteilt Ratschläge. Berlin dagegen hat sich auf eine einzige Rolle festgelegt, die des Zahlmeisters. Milliarden für Waffen, Milliarden für Kredite, Milliarden für Raketen, die irgendwann aus Amerika kommen sollen. Eine eigene Friedensinitiative? Fehlanzeige.

Dass ausgerechnet Xi Jinping den Europäern sagen muss, dass es um ihren Kontinent geht, ist eine Blamage. Und dass der Kreml spottet, die Europäer dürften gern Tickets nach Abu Dhabi kaufen, ist das Ergebnis einer Politik, die Diplomatie jahrelang als Schwäche verunglimpft hat. Wer immer nur „mehr Druck“ ruft, wird irgendwann nicht mehr angerufen.

Ein souveränes Deutschland würde anders handeln. Es würde seine Milliarden an eine klare Friedensstrategie knüpfen. Es würde eigene Gesprächskanäle offenhalten, wie Finnland und Norwegen es gerade tun. Und es würde sich nicht damit abfinden, dass über die Sicherheitsordnung Europas in Istanbul, Abu Dhabi oder Shenzhen entschieden wird, während Berlin nur die Rechnung bekommt.

Ein Friedensgipfel in der Türkei wäre eine Chance, endlich vom Schlachtfeld an den Verhandlungstisch zu kommen. Die Bundesregierung sollte alles tun, damit er stattfindet, und dafür sorgen, dass deutsche Interessen dort vertreten sind. Wer nur zahlt, hat am Tisch nichts zu sagen. Es wird Zeit, dass Berlin wieder mitredet, für den Frieden und nicht für die nächste Waffenlieferung.

FAQ: Häufige Fragen zum Friedensgipfel in der Türkei

Gibt es einen festen Termin für einen Friedensgipfel in der Türkei?

Nein. Selenskyj hat am 1. November 2026 seine Bereitschaft erklärt, Putin in der Türkei zu treffen. Ein Termin oder eine Zusage des Kremls liegt bisher nicht vor. Moskau bot zuletzt ein Treffen in Moskau an.

Was ist in Abu Dhabi geplant?

Laut Kreml sollen sich Delegationen Russlands, der Ukraine und der USA in der ersten Novemberhälfte treffen. Selenskyj nannte den Zeitraum 6. bis 10. November. Europäer sollen nach Kreml-Angaben nicht am Verhandlungstisch sitzen.

Welche Rolle spielt China?

Laut Bundespräsident Steinmeier sieht Xi Jinping keine Vorbereitung für einen Ukraine-Gipfel mit den USA und Russland. Ein Treffen der drei Präsidenten beim Apec-Gipfel in Shenzhen soll sich nicht um die Ukraine drehen.

Wie viel Geld gibt Deutschland 2027 für die Ukraine aus?

Im Regierungsentwurf für 2027 sind rund 11,6 Milliarden Euro vorgesehen. Hinzu kommt die Haftung für rund 25 Prozent möglicher Mehrbelastungen aus dem 90-Milliarden-Kredit der EU.

Warum vermittelt gerade die Türkei?

Die Türkei pflegt Beziehungen zu Moskau und Kiew, trägt die westlichen Sanktionen nicht mit und hat bereits 2022 das Getreideabkommen und 2025 direkte Gespräche in Istanbul ermöglicht.

Quellen

Bildnachweis: Titelbild, Social-Grafik und Story sind KI-Symbolbilder (KI-generiert mit Canva, keine realen Szenen, keine realen Personen erkennbar). Bilder zugeschnitten, abgedunkelt und mit Text versehen. Grafiken: Blaues Echo. KI-GENERIERTER-INHALT-Wasserzeichen auf allen Grafiken.

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