Tampons auf dem Männerklo: Stuttgarts Gleichstellungsprojekt und seine ernüchternde Bilanz
Ein Tamponspender auf einer Herrentoilette klingt für viele zunächst wie eine kommunalpolitische Kuriosität. In Stuttgart wurde daraus im Oktober 2022 ein bundesweit diskutierter Streit über Gleichstellung, öffentliche Ausgaben und die Frage, wie weit eine Stadtverwaltung bei der Umsetzung politischer Symbolik gehen sollte. Das Stichwort Tamponspender Herrentoilette Stuttgart steht seitdem für „Tampon-Gate“. Besonders aufschlussreich ist jedoch die spätere Bilanz der Stadt. Das ist der entscheidende Punkt der Geschichte: Nicht die Schlagzeile, sondern die Evaluation liefert den politischen Stoff.
Redaktioneller Hinweis: Der Vorgang ist nicht neu. Die Debatte begann im Oktober 2022, der Sachstandsbericht der Stadt stammt vom Dezember 2023. Der Artikel ordnet den damaligen Beschluss und die dokumentierte Bilanz ein. Er behauptet ausdrücklich nicht, dass die Spender aktuell noch auf den Herrentoiletten hängen – aber auch nicht, dass sie abgebaut wurden.
Kurz erklärt
- Im Stuttgarter Rathaus hingen ab Oktober 2022 kostenlose Tampon- und Bindenspender auch auf den Herrentoiletten. Grundlage war der Grünen-Haushaltsantrag 472/2021, den der Gemeinderat in den Haushaltsberatungen im Dezember 2021 beschlossen hatte.
- Eingeplant waren laut Haushaltsliste je 10.000 Euro für 2022 und 2023 – für Rathaus und Bürgerbüros zusammen.
- Der Sachstandsbericht der Stadt (Dezember 2023) nennt neun Spender und im Schnitt rund 1.400 Tampons und 1.250 Binden pro Quartal.
- Auf den Herrentoiletten wurde mehr entnommen als auf den Damentoiletten. Die Verwaltung schreibt: „Grund ist offensichtlich eine missbräuchliche Entnahme“.
- Nach dem Pilotprojekt sollten die Produkte weiterhin auf Damen- und Unisex-Behindertentoiletten angeboten werden. Die Herrentoiletten nennt der Bericht dafür nicht mehr.
Tamponspender Herrentoilette Stuttgart: Wie die Debatte begann
„Wer kommt auf so was?“ Diese Frage stand im Oktober 2022 sinngemäß über einer bundesweiten Debatte. Im Stuttgarter Rathaus waren Tampon- und Bindenspender nicht nur auf Damen-, sondern auch auf Herrentoiletten angebracht worden. Die Initiative ging auf den Haushaltsantrag 472/2021 der Grünen-Fraktion zurück: kostenlose Menstruationsprodukte in den Toiletten des Rathauses und sämtlicher Bürgerbüros.
In der Antragsliste der Stadtkämmerei zu den Haushaltsberatungen 2022/2023 (Anlage zur GRDrs 1369/2021, Stand 15. Dezember 2021) ist der Antrag in modifizierter Form mit „wie beantragt“ vermerkt, mit je 10.000 Euro für 2022 und 2023. Ein Abstimmungsergebnis nennt die Liste nicht. Die Grünen sprechen von einer Zustimmung „mit übergroßer Mehrheit fraktionsübergreifend“, die Stuttgarter Zeitung von einem „mit großer Mehrheit“ gefassten Beschluss.
Die Begründung der Befürworter war klar: Menstruationsprodukte sollten allen Menschen zugänglich sein, die sie benötigen. In ihrer Pressemitteilung vom 19. Oktober 2022 schrieben die Grünen, die Produkte lägen auch in den Herrentoiletten aus, damit sie auch von menstruierenden nicht-binären oder trans* Menschen genutzt werden können. Barbara Straub, Leiterin der städtischen Abteilung für individuelle Chancengleichheit, nannte im Tagesspiegel ein weiteres Ziel: Menschen in prekären Lebenssituationen zu erreichen, die wenig Geld haben oder unerwartet von ihrer Periode überrascht werden. Laut Stuttgarter Zeitung wurde außerdem angeführt, die Produkte könnten Vätern helfen, die ihre Töchter mit auf die Männertoilette nehmen.
Was Nopper und die CDU-Fraktion kritisierten
Die damalige Debatte wurde schnell zugespitzt. Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) erklärte laut Stuttgarter Zeitung auf Facebook und Instagram, er habe sich in den Beratungen klar gegen Tamponspender ausgesprochen, sei aber „leider überstimmt“ worden. Weite Teile der Kommunalpolitik hätten sich „von den wirklichen Sorgen und Nöten der großen Mehrheit der Menschen verabschiedet“. Seine Sprecherin ergänzte nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur, es sei aus seiner Sicht nicht Aufgabe der Stadtverwaltung, den Bürgern mit Steuergeldern kostenlos Menstruationsartikel zur Verfügung zu stellen.
Aus der CDU-Fraktion kam ebenfalls Kritik. Fraktionschef Alexander Kotz sprach laut Stuttgarter Zeitung vom „grünen Wahnsinn“ und forderte, die Spender sofort zu entfernen. Darauf hingewiesen, dass auch die CDU dem Antrag zugestimmt hatte, erklärte er, die Zustimmung seiner Fraktion sei auf Spender in Damentoiletten beschränkt gewesen. Dass alle WCs bestückt werden sollten, habe man nicht gewusst – oder in der Hektik der Etatberatungen übersehen.
Beide Seiten hatten damit unterschiedliche Fragen im Blick: Die eine Seite wollte ein niedrigschwelliges Angebot ohne Zugangshürden schaffen. Die andere stellte die Prioritätensetzung der Kommune und die konkrete Ausgestaltung des Beschlusses infrage.
Sachstandsbericht: Was die Stadt später selbst festhielt
Die wichtigste Quelle ist nicht die damalige Schlagzeile, sondern der Sachstandsbericht der Landeshauptstadt Stuttgart (PDF) zum Pilotprojekt „Kostenlose Menstruationsprodukte bereitstellen!“ (Antrag 472/2021). Er ist als Anlage einer Haushaltsvorlage vom 1. Dezember 2023 (GRDrs 1383/2023, 1. Ergänzung) zu den Beratungen über den Doppelhaushalt 2024/2025 veröffentlicht. Darin hält die Stadt fest:
- Im Rathaus sind insgesamt neun Spender installiert – in den öffentlichen Toiletten im Erdgeschoss, im 3. und im 4. Obergeschoss, einschließlich der Unisex-Behindertentoiletten. Pro Etage sind das je ein Spender im Damen-, Herren- und Behinderten-WC.
- Im Durchschnitt wurden pro Quartal rund 1.400 Tampons und 1.250 Binden entnommen.
- Als Beispiel nennt der Bericht die Nachfüllmengen vom Oktober 2023 (siehe Tabelle unten).
- Auf den Herrentoiletten wurden mehr Menstruationsprodukte entnommen als auf den Damentoiletten. Wörtlich heißt es: „Grund ist offensichtlich eine missbräuchliche Entnahme von Produkten aus dem Spender.“
- „Vandalismus“ gab es laut Bericht lediglich in den ersten Wochen nach dem Start: Produkte seien in den Foyers und in Abfalleimern verteilt worden. In den letzten Monaten sei nichts Auffälliges mehr festgestellt worden.
- Nach Ablauf des Pilotprojektes sollten kostenlose Menstruationsartikel weiterhin in den Damentoiletten und den Unisex-Behindertentoiletten zur Verfügung stehen.
- Sechs Bezirksrathäuser haben das Angebot angenommen, kostenlose Menstruationsartikel zu bestellen.
Die Nachfüllung im Oktober 2023 im Detail
| Etage | Damen-WC | Herren-WC | Unisex-Behinderten-WC |
|---|---|---|---|
| Erdgeschoss | 56 Binden / 80 Tampons | 42 Binden / 144 Tampons | 70 Binden / 80 Tampons |
| 3. OG | 42 Binden / 64 Tampons | 56 Binden / 64 Tampons | 14 Binden / 16 Tampons |
| 4. OG | 28 Binden / 80 Tampons | keine Binden / 96 Tampons | keine Nachfüllung |
| Summe (eigene Rechnung) | 126 Binden / 224 Tampons = 350 | 98 Binden / 304 Tampons = 402 | 84 Binden / 96 Tampons = 180 |
Addiert man die Werte, wurden bei dieser Nachfüllung auf den drei Herrentoiletten 402 Produkte nachgelegt, auf den drei Damentoiletten 350. Auffällig ist die Verteilung: Auf den Herrentoiletten waren es deutlich mehr Tampons (304 zu 224), aber weniger Binden (98 zu 126). Die Summen sind eine eigene Rechnung von Blaues Echo, der Bericht nennt nur die Einzelwerte. Der Vergleich setzt außerdem voraus, dass die Nachfüllmenge ungefähr der Entnahme entspricht.
Das ist eine bemerkenswerte Entwicklung: Das Angebot sollte nicht einfach unverändert auf allen Toiletten fortgeführt werden. Die Stadt zog aus dem Pilotprojekt eine praktische Konsequenz und nennt für die weitere Bereitstellung nur noch Damen- und Unisex-Behindertentoiletten.
Wichtig ist die saubere Einordnung: Die Verwaltung bezeichnet eine missbräuchliche Entnahme als offensichtlichen Grund für die hohen Entnahmemengen auf den Herrentoiletten. Sie veröffentlicht in dem Sachstandsbericht aber keine detaillierte Untersuchung dazu, wer die Produkte entnommen hat oder wie viele davon tatsächlich von menstruierenden Personen genutzt wurden. Eine solche weitergehende Behauptung wäre deshalb nicht belegt.
Die Zahlen hinter dem Symbol
Die im Sachstandsbericht genannten Durchschnittswerte ergeben rechnerisch rund 5.600 Tampons und 5.000 Binden pro Jahr, sofern sich der Quartalsdurchschnitt über vier Quartale fortsetzt. Das ist eine Hochrechnung, keine separat ausgewiesene Jahresabrechnung.
| Kennzahl | Angabe |
|---|---|
| Spender im Rathaus | 9 (laut Stadt) |
| davon auf Herrentoiletten | 3 (je einer pro Etage) |
| Tampons je Quartal, durchschnittlich | ca. 1.400 (laut Stadt) |
| Binden je Quartal, durchschnittlich | ca. 1.250 (laut Stadt) |
| Tampons je Jahr, hochgerechnet | ca. 5.600 (eigene Rechnung) |
| Binden je Jahr, hochgerechnet | ca. 5.000 (eigene Rechnung) |
| Haushaltsansatz 2022 und 2023 (Rathaus und Bürgerbüros) | je 10.000 Euro (GRDrs 1369/2021) |
Die Zahlen belegen, dass das Angebot genutzt wurde. Sie beantworten aber nicht automatisch, wie viele unterschiedliche Personen davon profitierten, wie hoch der Anteil tatsächlicher Bedarfsnutzung war oder welche Kosten pro Nutzer anfielen. Was das Angebot tatsächlich gekostet hat, steht nicht im Sachstandsbericht. Die Grünen hatten im März 2023 selbst per Antrag gefragt, wie viel des Budgets bisher in Anspruch genommen wurde. Eine veröffentlichte Antwort mit konkreten Ausgaben haben wir nicht gefunden.
Für eine vollständige Wirtschaftlichkeitsbewertung wären die Einkaufskosten, Nachfüll- und Verwaltungskosten sowie eine belastbare Nutzungsanalyse erforderlich. Dass das schwierig wird, war früh absehbar: Schon im Oktober 2022 sagte Straub, eine Evaluation werde „leider nicht hundertprozentig machbar sein“. Man habe einen Zettel aufgehängt mit der Bitte, dass sich nur diejenigen bedienen, die es benötigen.
Die Gegenposition verdient eine faire Darstellung
Es wäre zu einfach, das Projekt allein als Unsinn abzutun. Für trans Männer und nicht-binäre Menschen, die menstruieren, kann ein Spender auf einer Herrentoilette einen konkreten praktischen Nutzen haben. Straub sagte dazu, man wolle die Produkte allen zur Verfügung stellen, die sie auf den Herrentoiletten brauchen könnten – „auch wenn es nur wenige sind“. Auch ein niedrigschwelliges Angebot für Menschen in finanziell schwierigen Situationen kann ein legitimes kommunales Ziel sein.
Ebenso berechtigt ist aber die Frage, ob ein Pilotprojekt ausreichend überprüft wird und ob knappe öffentliche Mittel zielgenau eingesetzt werden. Gerade deshalb ist die Stuttgarter Bilanz so relevant: Sie zeigt, dass eine zunächst politisch aufgeladene Maßnahme anhand tatsächlicher Erfahrungen angepasst wurde.
Eine Kommune sollte weder aus Angst vor Kritik auf sinnvolle Hilfsangebote verzichten noch aus symbolpolitischen Gründen an einer Maßnahme festhalten, wenn die Evaluation Probleme offenlegt.
Tamponspender Herrentoilette Stuttgart: Was ist der aktuelle Stand?
Eine neuere Bilanz der Stadt für die Jahre 2024 bis 2026 haben wir nicht gefunden. Ob und wann die drei Spender auf den Herrentoiletten tatsächlich abgebaut wurden, ist in den öffentlich zugänglichen Unterlagen nicht dokumentiert. Belegt sind vor allem diese Entwicklungen:
- Bezirksrathäuser: Laut Sachstandsbericht haben sechs Bezirksrathäuser die Produkte bestellt. Ein Stadtsprecher hatte der dpa im August 2023 noch von sieben Bezirksrathäusern gesprochen, die „das gleiche Equipment bestellt“ hätten.
- Städtische Beschäftigte: In der Haushaltsvorlage vom Dezember 2023, der der Sachstandsbericht beiliegt, schreibt die Verwaltung unter Noppers Namen, Hygieneartikel für die Belegschaft gehörten „grundsätzlich nicht zu den Aufgaben einer Stadtverwaltung“. Für Notfälle könne aber an allen Arbeitsstandorten ein Vorrat vorgehalten werden.
- Schulen 2024/2025: Für Spender an Schulen beschloss der Gemeinderat laut dem städtischen Bürgerhaushalt-Portal insgesamt 20.000 Euro im Doppelhaushalt 2024/2025. Nach Angaben der Verwaltung können städtische Schulen Menstruationsprodukte ohnehin über ihr Schulbudget bestellen.
- Schulen 2026/2027: Im Spar-Doppelhaushalt, den der Gemeinderat am 19. Dezember 2025 beschloss, wurde laut SWR ein Antrag zu kostenlosen Menstruationsprodukten an Schulen abgelehnt. Beantragt hatte das unter anderem der Jugendgemeinderat.
Der Hintergrund ist eine angespannte Kassenlage: Laut Stadt mussten für den Doppelhaushalt 2026/2027 „massive Einschnitte in allen Bereichen“ vorgenommen werden. Wie eng die öffentlichen Haushalte insgesamt sind, zeigt auch die Steuerschätzung 2027.
Kommentar: Politik muss sich an Ergebnissen messen lassen
Der eigentliche Lehrsatz aus Stuttgart lautet nicht, dass Tampons auf einer Herrentoilette grundsätzlich lächerlich wären. Er lautet: Politische Ideen müssen sich in der Praxis bewähren.
Wer öffentliche Mittel einsetzt, sollte vorher erklären, welches konkrete Problem gelöst werden soll, welche Kosten entstehen und woran der Erfolg gemessen wird. Wer ein Pilotprojekt startet, muss anschließend bereit sein, Konsequenzen aus den Ergebnissen zu ziehen.
Genau das macht den Vorgang politisch interessant. Die ursprüngliche Debatte kreiste um Identität, Gleichstellung und öffentliche Aufmerksamkeit. Die spätere Verwaltungsbilanz lieferte eine nüchternere Antwort: Die Produkte wurden genutzt, auf den Herrentoiletten nach Einschätzung der Verwaltung aber offensichtlich auch missbräuchlich entnommen. Für die Zeit nach dem Piloten nennt die Stadt die Herrentoiletten nicht mehr.
Das ist kein Beweis dafür, dass die ursprüngliche Idee für jede betroffene Person nutzlos war. Es ist aber ein Beispiel dafür, warum Kommunalpolitik nicht bei wohlklingenden Zielen stehen bleiben darf. Gute Absichten ersetzen keine Erfolgskontrolle. Und eine Evaluation ist nur dann etwas wert, wenn sie auch Konsequenzen hat.
Fazit
Der Tamponspender im Stuttgarter Rathaus war mehr als eine kuriose Schlagzeile. Er war ein kommunales Pilotprojekt, das eine reale Debatte über Zugang, Gleichstellung und öffentliche Ausgaben auslöste. Die spätere Bilanz der Stadt zeigt: Das Angebot wurde genutzt, zugleich gab es auf den Herrentoiletten nach Angaben der Verwaltung offensichtlich missbräuchliche Entnahmen. Nach Ende des Pilotprojekts sollte die Bereitstellung auf Damen- und Unisex-Behindertentoiletten bestehen bleiben.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, wer sich über einen Tamponspender empört. Sie lautet, ob politische Maßnahmen transparent geplant, überprüft und bei Bedarf angepasst werden. Genau daran sollte jede Kommune gemessen werden.
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KI-Symbolbild
FAQ zum Tamponspender auf der Herrentoilette in Stuttgart
Gab es wirklich Tamponspender auf der Herrentoilette des Stuttgarter Rathauses?
Ja. Im Oktober 2022 wurde öffentlich über Spender für Menstruationsprodukte auf den Herrentoiletten berichtet. Grundlage war der Grünen-Haushaltsantrag 472/2021, den der Gemeinderat im Dezember 2021 beschlossen hatte. Die Stadt nannte später in einem Sachstandsbericht insgesamt neun Spender im Rathaus, je einen pro Etage auf den Herrentoiletten.
Warum wurden Tampons auf Herrentoiletten angeboten?
Die Initiatoren wollten Menstruationsprodukte auch trans Männern und nicht-binären Menschen zugänglich machen, die menstruieren. Zudem sollte es ein niedrigschwelliges Angebot für Menschen geben, die wenig Geld haben oder unerwartet Hygieneartikel benötigen.
Wie viele Produkte wurden entnommen?
Die Stadt nannte durchschnittlich rund 1.400 Tampons und 1.250 Binden pro Quartal im Rathaus. Hochgerechnet wären das rund 5.600 Tampons und 5.000 Binden im Jahr.
Was war das Problem auf den Herrentoiletten?
Laut Sachstandsbericht wurden dort mehr Produkte entnommen als auf den Damentoiletten. Die Verwaltung nannte eine missbräuchliche Entnahme als offensichtlichen Grund. Eine genaue Aufschlüsselung der Nutzer oder der missbräuchlich entnommenen Mengen enthält der Bericht nicht.
Gibt es die Spender heute noch auf den Herrentoiletten?
Der Sachstandsbericht vom Dezember 2023 hält fest, dass nach Ablauf des Pilotprojekts kostenlose Menstruationsartikel weiterhin in Damen- und Unisex-Behindertentoiletten bereitgestellt werden sollten. Die Herrentoiletten werden dabei nicht genannt. Ob die Spender dort abgebaut wurden, ist öffentlich nicht dokumentiert.
Quellen
- Landeshauptstadt Stuttgart: Sachstand zum Pilotprojekt „Kostenlose Menstruationsprodukte bereitstellen!“ (Antrag 472/2021), Anlage zu GRDrs 1383/2023, 1. Ergänzung vom 1. Dezember 2023 (PDF)
- Landeshauptstadt Stuttgart, Stadtkämmerei: Anlage zur GRDrs 1369/2021, Ergebnis der Vorberatung der Anträge zum Doppelhaushaltsplan 2022/2023, 15. Dezember 2021, lfd. Nr. 23
- Bündnis 90/Die Grünen im Gemeinderat Stuttgart: Pressemitteilung „Endlich: Kostenlose Menstruationsprodukte auf den öffentlichen Toiletten im Stuttgarter Rathaus“, 19. Oktober 2022, sowie Antrag „Hygienemülleimer für die Herrentoiletten im Rathaus und in den Bürgerbüros“, 16. März 2023
- Stuttgarter Zeitung: „Aufregung um Stuttgart-OB Frank Nopper: Streit um Tampons auf Männertoilette im Rathaus“, 20. Oktober 2022
- Tagesspiegel: „Frau Straub, warum hängen bei Ihnen Tampon-Automaten in den Herrenklos?“, Interview mit Barbara Straub, 21. Oktober 2022
- Stuttgarter Zeitung/dpa: „Initiatorin von Tampon-Spender verteidigt Vorstoß“, Oktober 2022; Deutsches Ärzteblatt/dpa: „Kostenfreie Tampons: Kommunen ziehen positive Bilanz“, 21. August 2023
- Bürgerhaushalt Stuttgart: Vorschlag 71946 „Kostenlose Periodenartikel in Schulen“, Ergebnis der Haushaltsberatungen 2024/2025
- SWR Aktuell: „Kurz vor Pleite: Strenger Spar-Haushalt in Stuttgart beschlossen“, Dezember 2025; Landeshauptstadt Stuttgart: Doppelhaushalt 2026/2027
Bildnachweis: Titelbild und Story-Grafik sind KI-generierte Symbolbilder, keine dokumentarischen Aufnahmen des Stuttgarter Rathauses. Grafiken: Blaues Echo.







