Neue Steuern: 1.046 Stellen für Zucker und Plastik – der Staat kassiert doppelt

Erst kassiert der Staat bei der Limo, dann bei der Verpackung – und für das Eintreiben stellt er gleich noch eine kleine Behörde auf. Neue Steuern auf Zuckergetränke und Plastikverpackungen sollen ab Juli 2027 mehr als 2,5 Milliarden Euro im Jahr bringen. Laut den Gesetzentwürfen aus dem Bundesfinanzministerium braucht der Bund dafür 1.046 Vollzeitstellen und rund 74 Millionen Euro Personalkosten pro Jahr. Eine Regierung, die mit Entlastung und Bürokratieabbau geworben hat, liefert das Gegenteil.
Das Wichtigste in Kürze
- Zuckergetränkesteuer und Kunststoffverpackungsteuer sollen ab Juli 2027 gelten.
- Erwartet werden zusammen mehr als 2,5 Milliarden Euro im Jahr.
- Der Bund braucht dafür laut Gesetzentwürfen 1.046 Vollzeitstellen und rund 74 Millionen Euro Personalkosten pro Jahr.
Inhaltsverzeichnis
- Neue Steuern: Was genau geplant ist
- 1.046 Stellen für zwei Abgaben
- Wer am Ende zahlt
- Sparen statt neue Steuern
Neue Steuern: Was genau geplant ist
Die Zuckergetränkesteuer von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) soll in drei Stufen greifen: 26 Cent pro Liter ab fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter, 32 Cent ab sieben Gramm, 38 Cent ab zehn Gramm. Eine klassische Cola landet in der höchsten Stufe – bei voller Weitergabe inklusive Mehrwertsteuer rund 45 Cent mehr pro Liter. Das Kanzleramt hatte den Entwurf vergangene Woche als „nicht mehrheitsfähig“ gestoppt, wie die FAZ berichtete. Am Montag schickte Klingbeil trotzdem einen dritten Anlauf an die Ministerien – mit Frist bis Dienstschluss.
Parallel planen die Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD eine Kunststoffverpackungsteuer: 550 Euro je Tonne Kunststoff, fällig bei Herstellung oder Einfuhr, ebenfalls ab Juli 2027. Erwartet werden laut BR24 805 Millionen Euro im ersten Halbjahr und danach knapp 1,5 Milliarden Euro jährlich. Wirtschaftsverbände warnen, die Steuer solle im Schnellverfahren über das Haushaltsbegleitgesetz 2027 durchgedrückt werden. Und der Entwurf sagt offen, worum es geht: Neben weniger Plastik soll vor allem mehr Geld in den Bundeshaushalt fließen. Umweltschutz ist hier das Etikett, Kasse machen der Zweck. Dieselbe Logik steckt hinter der Limo-Steuer.

1.046 Stellen für zwei Abgaben
Den größten Apparat braucht die Plastiksteuer: 788 Stellen beim Zoll, 28 beim IT-Dienstleister des Bundes, drei im Ministerium – über 46 Millionen Euro im Jahr. Für die Zuckersteuer kommen 200 Zollstellen, 23 IT-Stellen und 3,75 Stellen im Ministerium hinzu, rund 28 Millionen Euro jährlich. Ob dafür neu eingestellt oder umgeschichtet wird, wollte das Ministerium laut FOCUS nicht sagen. Fest steht: Der Zoll soll im kommenden Jahr ohnehin 934 zusätzliche Stellen bekommen.
Steuerzahler-Präsident Reiner Holznagel nennt das „Bürokratie-Irrsinn mit Ansage“. Man muss kein Ökonom sein, um das Muster zu erkennen: Jeder Beamte, der Plastikgewichte nachrechnet, fehlt dort, wo der Zoll eigentlich gebraucht wird – bei Schmuggel, Schwarzarbeit und organisierter Kriminalität an unseren Grenzen.
Wer am Ende zahlt
Offiziell zahlen Hersteller und Importeure. In Wahrheit landet jede Verbrauchsteuer an der Kasse. Getroffen werden alle, die wenig Spielraum haben: Azubis, Studenten, junge Familien. Wer ohnehin unter hohen Energiepreisen leidet – siehe unsere Analyse zur Gasspeicher-Krise –, bekommt jetzt den nächsten Aufschlag auf den Wocheneinkauf. Deutsche Mittelständler aus Getränke- und Verpackungsindustrie zahlen zusätzlich mit Bürokratie und Wettbewerbsnachteilen.
Gesundheitspolitisch ist die Zuckersteuer ein Feigenblatt. Ernährung lernt man in Schule und Familie, nicht über einen Preisaufschlag. Wer es ernst meint, investiert in Sportvereine, Schulküchen und Aufklärung, statt Bürger wie unmündige Kunden zu behandeln.

Sparen statt neue Steuern
Der Staat hat kein Einnahmeproblem, sondern ein Prioritätenproblem. Während zu Hause neue Abgaben erfunden werden, sagt Berlin Kiew eine weitere Milliarde Euro zu. Was es stattdessen bräuchte:
- Steuermoratorium: Keine neue Verbrauchsteuer, solange der Haushalt nicht ehrlich durchforstet ist.
- Zoll für Sicherheit: Neue Stellen an die Grenze und gegen Schmuggel, nicht an die Plastikwaage.
- Kassensturz: Subventionen, Auslandszusagen und die Kosten ungesteuerter Migration transparent auf den Tisch.
- Mittelstand entlasten: Weniger Formulare, niedrigere Energiepreise – das stärkt deutsche Wirtschaft mehr als jede Lenkungsabgabe.
Neue Steuern und neue Planstellen lösen kein einziges Problem dieses Landes. Sie zeigen nur, dass Berlin lieber beim Bürger kassiert, als bei sich selbst zu sparen.
Neue Steuern im Überblick: Zahlen und Fakten
Die Angaben stammen aus den Entwürfen zum Zuckergetränkesteuergesetz und zum Kunststoffverpackungsteuergesetz sowie aus Berichten von packaging journal und Dr. Web (unter Berufung auf Bild). Beide Gesetze sind noch nicht beschlossen.
| Zuckergetränkesteuer | Kunststoffverpackungsteuer | |
|---|---|---|
| Steuersatz | 0,26 € je Liter (5 bis unter 7 g Zucker/100 ml), 0,32 € (7 bis unter 10 g), 0,38 € (ab 10 g) | 550 € je Tonne enthaltenen Kunststoffs |
| Geplanter Start | 1. Juli 2027 | Erhebung ab 1. Juli 2027, erste Fälligkeit August 2027 |
| Zusätzliche Stellen | 227 | 819 (788 Zoll, 28 ITZBund, 3 BMF) |
| Personalkosten pro Jahr | rund 28 Mio. € | rund 46 Mio. € |
| Erwartete Menge / Einnahmen | – | rund 3 Mio. Tonnen steuerbare Kunststoffverpackungen pro Jahr; ab 2028 rund 1,5 Mrd. € jährlich |
Hintergrund
- Beide Steuern gehen auf den Kabinettsbeschluss vom 6. Juli 2026 zum Regierungsentwurf des Bundeshaushalts 2027 zurück.
- Die Kunststoffverpackungsteuer soll laut Entwurf dauerhaft einen Betrag in Höhe des EU-Eigenmittelbeitrags für nicht recycelte Kunststoffverpackungen einbringen.
- Zusammen sollen beide Abgaben laut Bericht mehr als 2,5 Mrd. € pro Jahr einbringen.
- Laut Dr. Web (unter Berufung auf Bild) hat das Kanzleramt den Entwurf zur Zuckersteuer vorerst gestoppt.
Häufige Fragen
Ab wann gilt die Zuckersteuer?
Geplant ist ein Start ab Juli 2027 – mit 26, 32 oder 38 Cent pro Liter je nach Zuckergehalt.
Wie hoch ist die Plastiksteuer?
550 Euro je Tonne Kunststoff, fällig bei Herstellung oder Einfuhr, ebenfalls ab Juli 2027.
Wie viele Stellen braucht der Staat dafür?
Insgesamt 1.046 Vollzeitstellen, rund 74 Millionen Euro Personalkosten pro Jahr.






