Kriminalität an Bahnhöfen: Fast 100.000 Straftaten in sechs Monaten – und die Gewalt bleibt
Wer in Deutschland Zug fährt, braucht inzwischen mehr als ein Ticket – er braucht starke Nerven. Die Bundespolizei hat im ersten Halbjahr 2026 an Bahnhöfen und in Zügen 98.026 Straftaten erfasst, darunter 14.049 Gewaltdelikte. Das sind rund 78 Gewalttaten an jedem einzelnen Tag. Die Zahlen stammen aus einer Antwort der Bundesregierung vom 13. Oktober 2026. Sie zeigen: Die Kriminalität an Bahnhöfen bleibt auf hohem Niveau – trotz aller Ankündigungen aus Berlin.
Kurz erklärt
- 98.026 Straftaten an Bahnhöfen und in Zügen im ersten Halbjahr 2026, Schwarzfahren nicht mitgezählt (Bundestagsdrucksache 21/8523, 13.10.2026).
- Die Gewalt stagniert auf hohem Niveau: 14.049 Gewaltdelikte, praktisch genauso viele wie im ersten Halbjahr 2025 (14.047).
- In 44 Fällen wurden Menschen ins Gleis gestoßen – ein Anstieg um gut ein Viertel gegenüber dem Vorjahreszeitraum (35).
- Bei Gewaltdelikten waren 45 Prozent der Tatverdächtigen mit bekannter Staatsangehörigkeit keine Deutschen – bei einem Bevölkerungsanteil von 14,9 Prozent (Destatis, Ende 2025).
- Lichtblick: Die registrierten Messerangriffe an Bahnhöfen sanken von 244 auf 141.
Inhaltsverzeichnis
- Wie hoch ist die Kriminalität an Bahnhöfen 2026?
- Warum ist der Anstieg bei Gleis-Attacken so alarmierend?
- Welche Bahnhöfe sind die Brennpunkte?
- Wer sind die Tatverdächtigen?
- Wer schützt Bahnpersonal und Polizisten?
- Was tut die Bundesregierung – und reicht das?
- Was jetzt passieren muss
Wie hoch ist die Kriminalität an Bahnhöfen 2026?
Die Daten gehen auf eine Kleine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion zurück. Das Bundesinnenministerium hat sie am 12. Oktober 2026 beantwortet, veröffentlicht wurde die Antwort als Bundestagsdrucksache 21/8523. Grundlage ist die Eingangsstatistik der Bundespolizei, die für Bahnhöfe und Bahnanlagen des Bundes zuständig ist.
Die Bilanz für Januar bis Juni 2026 im Überblick:
- 98.026 Straftaten insgesamt (ohne Massendelikte wie Fahren ohne Fahrschein)
- 14.049 Gewaltdelikte, einfache Körperverletzung eingeschlossen
- 24.162 Eigentumsdelikte und 16.056 Sachbeschädigungen
- 4.476 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz
- 1.104 Sexualdelikte und 796 Verstöße gegen das Waffengesetz
Rechnet man das auf den Tag herunter, registriert die Bundespolizei rund 540 Straftaten täglich im Bahnbereich. Hinter jeder Zahl steht ein Mensch, der bestohlen, bedroht, begrapscht oder geschlagen wurde. Allein die Gewaltdelikte zählen 15.155 Geschädigte, 11.427 von ihnen sind deutsche Staatsbürger.
Ist die Lage besser geworden als 2025?
Nur teilweise. Der direkte Vergleich mit dem ersten Halbjahr 2025 (Drucksache 21/1095) zeigt ein gemischtes Bild. Eigentumsdelikte gingen um gut neun Prozent zurück, Sachbeschädigungen um knapp neun Prozent. Bei der Gewalt dagegen hat sich nichts bewegt: 14.047 Fälle damals, 14.049 heute. Die Sexualdelikte stiegen leicht von 1.076 auf 1.104. Wer den Fahrgästen also erzählt, an Bahnhöfen sei es sicherer geworden, beschreibt bestenfalls weniger Taschendiebstähle – nicht weniger Schläge, Tritte und Übergriffe.
Warum ist der Anstieg bei Gleis-Attacken so alarmierend?
Kaum eine Tat erzeugt so viel Angst wie ein Stoß vor einen einfahrenden Zug. Wer auf dem Bahnsteig steht, kann sich kaum schützen. Im ersten Halbjahr 2026 erfasste die Bundespolizei 44 Fälle, in denen Menschen in den Gleisbereich gestoßen wurden. Im Vorjahreszeitraum waren es 35. Das ist ein Plus von rund 26 Prozent.
Wie tödlich solche Taten sein können, hat der Fall der 16-jährigen Liana K. gezeigt, die am Bahnhof Friedland ums Leben kam. Der Tatverdächtige war ein Iraker, dessen Überstellung nach Litauen längst hätte erfolgen müssen. Wir haben das Abschiebe-Versagen im Fall Liana K. ausführlich aufgearbeitet.
Bei den Gleis-Attacken des ersten Halbjahres 2026 konnte die Bundespolizei 25 Tatverdächtigen eine Staatsangehörigkeit zuordnen: 9 waren Deutsche, 16 Ausländer. Weitere 23 Tatverdächtige sind gänzlich unbekannt. Gerade diese hohe Zahl unbekannter Täter zeigt, wie schwer solche Taten aufzuklären sind – und wie wichtig Präsenz vor Ort wäre.

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Welche Bahnhöfe sind die Brennpunkte?
Die meisten Straftaten insgesamt registrierte die Bundespolizei am Kölner Hauptbahnhof (2.664), knapp dahinter liegt Hamburg (2.662). Es folgen Frankfurt am Main (2.226), Hannover (1.873) und Leipzig (1.783).
Bei der Gewalt sieht die Rangliste anders aus. Hier führt Leipzig mit 397 Gewaltdelikten vor Hannover (393), Frankfurt am Main (353), Berlin (335) und Hamburg (270). Die meisten Sexualdelikte gab es in Köln (28) und Frankfurt (25). Bei Eigentumsdelikten liegt Hamburg mit 1.408 Fällen weit vorn, bei Drogendelikten Dortmund (139). Die meisten Waffendelikte wurden in Gelsenkirchen (24) und Cottbus (22) erfasst.
Die Bundesregierung spricht für Hamburg, Frankfurt und Leipzig von „stagnierenden“ Fallzahlen, in Köln und Hannover habe es einen Rückgang gegenüber dem zweiten Halbjahr 2025 gegeben. Konkrete Vergleichszahlen nennt sie nicht. Stagnation auf diesem Niveau ist aber keine Entwarnung, sondern ein Dauerzustand, an den sich niemand gewöhnen sollte.
Wer sind die Tatverdächtigen?
Über Herkunft und Kriminalität wird in Deutschland gern geschwiegen. Die Zahlen der Bundespolizei sind trotzdem eindeutig. Bei den Gewaltdelikten ermittelte sie 5.596 deutsche und 4.631 nichtdeutsche Tatverdächtige, bei 75 blieb die Staatsangehörigkeit ungeklärt. Von den Tatverdächtigen mit bekannter Staatsangehörigkeit waren damit 45 Prozent keine Deutschen.
Zum Vergleich: Ende 2025 hatten laut Statistischem Bundesamt 14,9 Prozent der Einwohner Deutschlands keinen deutschen Pass, in der Altersgruppe der 20- bis 59-Jährigen waren es 20,0 Prozent (Destatis, 16.06.2026). Auch wenn man die jüngere Altersstruktur berücksichtigt, sind nichtdeutsche Tatverdächtige bei der Gewalt im Bahnbereich deutlich überrepräsentiert.
Die häufigsten Staatsangehörigkeiten bei Gewaltdelikten waren syrisch (581), polnisch (575), ukrainisch (439) und afghanisch (351). Bei Eigentumsdelikten lag der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger sogar bei 56,4 Prozent, angeführt von polnischen (1.302), ukrainischen (667) und rumänischen (593) Staatsangehörigen. Bei Waffendelikten stieg der Anteil binnen eines Jahres von 36,6 auf 41 Prozent. Bei Sexualdelikten waren 53 Prozent der Tatverdächtigen mit bekannter Staatsangehörigkeit Nichtdeutsche, nach gut 56 Prozent im Vorjahreszeitraum.
Was die Zahlen aussagen – und was nicht
Zur Ehrlichkeit gehört: Ein Tatverdächtiger ist noch kein verurteilter Täter. Im Bahnbereich bewegen sich zudem viele Durchreisende, Pendler aus Nachbarländern und Touristen, die nicht in der Einwohnerstatistik auftauchen. Bei Eigentumsdelikten und Sachbeschädigungen bleiben außerdem die meisten Täter völlig unbekannt. Die Zahlen beschreiben also kein Urteil über ganze Volksgruppen. Sie beschreiben aber ein reales Sicherheitsproblem, das die Politik benennen muss, statt es kleinzureden.
Besonders deutlich wird das bei Messerangriffen an Bahnhöfen. Von den Tatverdächtigen mit bekannter Staatsangehörigkeit waren 48 Ausländer und 32 Deutsche. Dass der Staat bei Straftätern ohne deutschen Pass oft nicht konsequent durchgreift, zeigt auch die Lage bei den offenen Haftbefehlen, die nicht vollstreckt werden.
Wer schützt Bahnpersonal und Polizisten?
Zugbegleiter, Servicekräfte und Sicherheitsleute der Deutschen Bahn tragen das Risiko jeden Tag. Für Gewaltdelikte gegen Bahnmitarbeiter weist die Bundesregierung für das erste Halbjahr 2026 insgesamt 1.507 Tatverdächtige aus: 636 Deutsche, 567 Nichtdeutsche, 297 völlig Unbekannte und 7 mit ungeklärter Staatsangehörigkeit. Im ersten Halbjahr 2025 waren es 1.254 Tatverdächtige. Das ist ein Plus von rund 20 Prozent.
Auch die Bundespolizei selbst wird zum Ziel. 204 Beamtinnen und Beamte wurden im ersten Halbjahr 2026 bei Angriffen im Bahnbereich verletzt, 20 von ihnen waren danach zumindest vorübergehend dienstunfähig. Unter den Angreifern waren 81 Deutsche, 71 Nichtdeutsche und 19 Unbekannte. Wer Polizisten angreift, greift den Rechtsstaat an. Dafür muss es spürbare Konsequenzen geben.
Was tut die Bundesregierung – und reicht das?
Im Juli 2026 hat der Bundestag das neue Bundespolizeigesetz beschlossen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) versprach „umfassende Sicherheitszonen am Bahnhof“, verdachtsunabhängige Kontrollen in Waffen- und Messerverbotszonen und hochauflösende Videokameras (Deutscher Bundestag, 10.07.2026). Zugleich erhielt die Bundespolizei neue Befugnisse bis hin zur Quellen-Telekommunikationsüberwachung (Bundesregierung).
Bisher arbeitet die Bundespolizei an vielen Bahnhöfen mit zeitlich befristeten Allgemeinverfügungen, die das Mitführen von Messern und gefährlichen Gegenständen verbieten – etwa in Berlin, Hannover oder zuletzt in Lippstadt, Soest und Paderborn (Bundespolizei). Der Rückgang der registrierten Messerangriffe an Bahnhöfen von 244 auf 141 ist ein erfreuliches Signal. Ob er auf diese Verbotszonen zurückgeht, erklärt die Bundesregierung allerdings nicht.
Unser Eindruck: Berlin setzt vor allem auf mehr Technik und mehr Datensammlung. Gesichtserkennung und KI-gestützte Videoauswertung treffen aber alle Reisenden – auch die Millionen, die sich nichts zuschulden kommen lassen. Was an den Brennpunkten wirklich fehlt, sind Beamte auf dem Bahnsteig, die eingreifen, bevor etwas passiert. Und eine Justiz, die nach der Tat schnell und konsequent handelt, statt Verfahren jahrelang liegen zu lassen – ein Problem, das wir schon beim {A(I_ASYL, ‚Rückstau bei den Asylklagen‘, False)} beschrieben haben.
Was jetzt passieren muss
Die Kriminalität an Bahnhöfen ist kein Naturgesetz. Sie ist das Ergebnis politischer Entscheidungen – und sie lässt sich mit politischen Entscheidungen senken. Aus unserer Sicht sind fünf Schritte nötig:
- Präsenz statt Kamera: Mehr Bundespolizisten dauerhaft an den bekannten Brennpunkten, gerade abends und nachts, statt flächendeckender Überwachung aller Reisenden.
- Dauerhafte Waffenverbotszonen: An den Hotspots klare, dauerhafte Regeln statt Allgemeinverfügungen, die alle paar Monate auslaufen.
- Konsequenzen für Gewalttäter: Schnelle Verfahren und bei ausländischen Gewalttätern ohne Bleiberecht die konsequente Ausweisung und Abschiebung.
- Schutz für Bahnpersonal: Mehr Sicherheitskräfte in Regional- und Nachtzügen, damit Zugbegleiter nicht allein gelassen werden.
- Offene Zahlen: Die Bundespolizei sollte ihre Halbjahreszahlen selbst veröffentlichen – nicht erst, wenn die Opposition danach fragt.
Zahlen im Überblick
| Kennzahl | 1. Halbjahr 2026 | 1. Halbjahr 2025 |
|---|---|---|
| Straftaten gesamt (ohne Massendelikte) | 98.026 | – |
| Gewaltdelikte | 14.049 | 14.047 |
| Sexualdelikte | 1.104 | 1.076 |
| Eigentumsdelikte | 24.162 | 26.613 |
| Sachbeschädigungen | 16.056 | 17.595 |
| Betäubungsmitteldelikte | 4.476 | 4.475 |
| Waffendelikte | 796 | 808 |
| Menschen ins Gleis gestoßen | 44 | 35 |
| Messerangriffe an Bahnhöfen / in Zügen | 141 / 54 | 244 / 68 |
| Tatverdächtige bei Gewalt gegen DB-Mitarbeiter | 1.507 | 1.254 |
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Kriminalität an Bahnhöfen in Deutschland?
Die Bundespolizei erfasste im ersten Halbjahr 2026 an Bahnhöfen und in Zügen 98.026 Straftaten ohne Massendelikte wie Schwarzfahren, darunter 14.049 Gewaltdelikte und 1.104 Sexualdelikte. Das geht aus der Bundestagsdrucksache 21/8523 vom 13. Oktober 2026 hervor.
Welcher Bahnhof hat die meisten Straftaten?
Insgesamt lag der Kölner Hauptbahnhof mit 2.664 Straftaten knapp vor Hamburg (2.662). Bei Gewaltdelikten führte Leipzig mit 397 Fällen.
Ist die Gewalt an Bahnhöfen gestiegen?
Die Zahl der Gewaltdelikte blieb mit 14.049 praktisch unverändert gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 (14.047). Gestiegen sind die Fälle, in denen Menschen ins Gleis gestoßen wurden (von 35 auf 44), gesunken sind die registrierten Messerangriffe an Bahnhöfen (von 244 auf 141).
Wie hoch ist der Ausländeranteil unter den Tatverdächtigen?
Bei Gewaltdelikten waren 45 Prozent der Tatverdächtigen mit bekannter Staatsangehörigkeit Nichtdeutsche, bei Eigentumsdelikten 56,4 Prozent. Der Anteil von Ausländern an der Bevölkerung lag Ende 2025 bei 14,9 Prozent. Tatverdächtige sind nicht automatisch verurteilte Täter.
Was ändert das neue Bundespolizeigesetz?
Das im Juli 2026 beschlossene Gesetz erlaubt der Bundespolizei unter anderem verdachtsunabhängige Kontrollen in Waffen- und Messerverbotszonen im Bahnbereich, mehr Videotechnik und die Quellen-Telekommunikationsüberwachung.
Fazit
Die Kriminalität an Bahnhöfen ist kein gefühltes Problem, sondern amtlich belegt: fast 100.000 Straftaten in sechs Monaten, Gewalt auf unverändert hohem Niveau, mehr Gleis-Attacken und mehr Angriffe auf Bahnpersonal. Wer Menschen dazu bewegen will, das Auto stehen zu lassen, muss zuerst dafür sorgen, dass sie sicher ankommen. Dafür braucht es keine neue Überwachungsarchitektur, sondern Polizisten auf dem Bahnsteig, eine Justiz, die durchgreift, und einen Staat, der Ausreisepflicht auch durchsetzt.
- Abschiebe Versagen: Akten voll, Flug leer – Liana K. tot
- Offene Haftbefehle: 148.000 Gesuchte – und der Staat schaut zu
- Asylklagen Rückstau: Überlastete Gerichte
Quellen
- Deutscher Bundestag: Drucksache 21/8523 – Kriminalitätsfelder in Bezug auf Bahnhöfe und Züge im ersten Halbjahr 2026 (13.10.2026)
- Deutscher Bundestag: Drucksache 21/1095 – Kriminalitätsfelder in Bezug auf Bahnhöfe und Züge im ersten Halbjahr 2025 (29.07.2025)
- Statistisches Bundesamt: Bevölkerung Deutschlands sinkt im Jahr 2025 um 0,1 %, Pressemitteilung Nr. 203 (16.06.2026)
- Deutscher Bundestag: Abstimmung über erweiterte Befugnisse für die Bundespolizei (10.07.2026)
- Bundesregierung: Bundespolizeigesetz modernisiert
- Bundespolizei: Allgemeinverfügungen zum Mitführverbot gefährlicher Gegenstände
Bildnachweis Rohmaterial (Symbolbilder, keine Personen erkennbar): Titelbild „Hamburg Hauptbahnhof Halle 2023-06-23.jpg“, Strubbl, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0; Social-Grafik „Berlin Westkreuz stasjon natt 2026-04-01 img01.jpg“, LarsMueller, Wikimedia Commons, CC0; Story „München Hauptbahnhof Bundespolizei 2.jpg“, Ousw, Wikimedia Commons, CC0. Bilder zugeschnitten, abgedunkelt und mit Text versehen. Grafiken: Blaues Echo. KI-GENERIERTER-INHALT-Wasserzeichen auf Grafiken.







